Veggie Warenkunde

Äpfel, Äpfel, Äpfel – Basiswissen zum Lieblingsobst der Deutschen

Wow, schon ziemlich kalt draußen, oder? Die Blätter fallen jetzt wie wild, die Bäume werden langsam kahl und es ist immer häufiger nass und ungemütlich. Aber die kalte Jahreszeit hat ja auch ihre guten Seiten. Warm eingepackt mit einer Tasse Tee auf der Couch zu sitzen, zum Beispiel. Außerdem das gutbürgerliche deftige Essen, das jetzt wieder auf die Teller kommt. Die beste Nachricht von allen aber ist – zumindest für mich –, dass die einsetzende Kälte bedeutet, dass die neue Apfelernte ihren Weg in die Lager des Einzelhandels gefunden hat. Der Apfel ist eine der wohl vielseitigsten Obstsorten überhaupt. Seine Geschmacksspanne reicht von mehlig-süß bis extrem sauer.

Apfelmus, Apfelkuchen, Apfelsalat mit Roquefort, Thunfisch-Piadina mit Äpfeln, Bratapfel – das sind nur einige wenige Beispiele für das, was man mit dem liebsten Obst der Deutschen (Pro-Kopf-Verbrauch 33 kg im Jahr) so alles anstellen kann. An dieser Stelle erfahrt ihr heute allerhand Wissenswertes rund um die Baumfrüchte. Und ich hoffe, dass ich euch auch das ein oder andere erzählen kann, das ihr vielleicht noch nicht wusstet. Viel Spaß!

Der Apfel – kleine Sortengeschichte

Äpfel werden schon seit weit über 2000 Jahren kultiviert. Zum ersten Mal erwähnt wurde die Frucht in einer Schrift aus dem 8. Jahrhundert vor Christus, die die Heilpflanzen im Garten des babylonischen Königs Madukapaliddina aufzählt. Um 1880 waren weltweit bereits mehr als 20.000 Apfelsorten in Kultur, allein in Preußen wurden damals über 2300 Sorten angebaut. Heute gibt es in Deutschland noch rund 1.500 unterschiedliche Äpfel, von denen aber lediglich 60 Züchtungen wirtschaftlich bedeutend sind. Als erster kultivierter Tafelapfel gilt der sogenannte Borsdorfer Apfel, dessen Züchtung für das Jahr 1170 in einer Auflistung aus einem Zisterzienserkloster verbrieft ist.

Im Gartenhandel und bei Direktvermarktern sind aktuell nur noch rund 30 bis 40 Sorten erhältlich. In den Supermärkten findet man mittlerweile oft nur noch die acht wirtschaftlich bedeutendsten Sorten: Golden Delicious, Jonagold, Red Delicious, Gala, Granny Smith, Elstar, Cox Orange und Boskoop.

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Nutzung

Neben dem Verkauf als Frucht, kommt dem Apfel auch als wirtschaftliches Grundprodukt eine große Bedeutung zu. Das wohl populärste Ergebnis ist der Apfelsaft. Äpfel sind wegen ihres hohen Ertrags und ihres großen Wasseranteils die Saftfrucht überhaupt. Allein in Deutschland produzieren rund 450 Firmen jährlich etwa eine Milliarde Liter Apfelsaft. Laut Statistischem Bundesamt konsumiert jeder Deutsche von dem süßen Getränk im Schnitt 11,7 Liter pro Jahr.

Neben der Saftproduktion spielt der Apfel auch noch für eine andere Sparte der Getränkeindustrie eine entscheidende Rolle. Die sogenannten Mostäpfel sind Rohstoff für alkoholische Getränke wie Apfelwein, Cidre, Obstbrand und Calvados.

Als Kochobst sind Äpfel so beliebt, weil sie auch beim Erhitzen nicht ihre Form verlieren. Spezielle Kochapfeltorten wie der aus der böhmischen Küche bekannte Behm-Apfel sind oft sehr süß, haben aber gleichzeitig einen hohen Säureanteil, was sie zu perfekten Füllungen für Mehlspeisen wie Apfelstrudel macht.

Biologie

Die Wissenschaft unterscheidet zwischen Kultur- und Zieräpfeln. Weltweit werden je nach Auslegung der Artenmerkmale 42 bis 45 unterschiedliche Rosengewächse zur Familie der Äpfel gezählt. Die Früchte, die in unseren Mägen landen, stammen von Kulturapfelbäumen. Daneben gibt es Zierbäume wie zum Beispiel den Japanischen Apfel und den Kirschapfel, deren Früchte entweder nicht genießbar oder deren Weiterverarbeitung unwirtschaftlich sind.

Die essbaren Früchte entstehen nicht wie bei den sogenannten „echten Früchten“ aus einem Fruchtknoten – der sich im Verlauf des Reifeprozesses zu Fruchtfleisch verdickt – sondern aus einem anderen Teil der Pflanze (in diesem Fall aus der Blütenachse). Der Apfel ist also wie die Erdbeere eine Scheinfrucht. Noch genauer bestimmt, spricht man von einer Sammelbalgfrucht. Ein Balg besteht aus einem Fruchtblatt, das innerhalb der Blüte mit sich selbst verwächst. Und wenn sich erst einmal Fruchtfleisch gebildet hat, entsteht darin aus dem balgähnlichen Fruchtblatt ein pergamentartiges Gehäuse. Im Fruchtfleisch selbst sind höchstens noch vereinzelt Steinzellennester enthalten. Die Samen sind braun oder schwarz; sie enthalten geringe Mengen an giftigen Cyaniden.

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Gesundheit

Der bekannte Spruch „One Apple a day keeps the doctor away“ kommt nicht von ungefähr. Äpfel sind gesund. Sie sind reich an ernährungsphysiologisch wichtigen Inhaltsstoffen: Die Apfelsäure zum Beispiel wirkt gegen Krankheiten wie Rheuma oder Gicht, die Fruktose gilt als konzentrationsfördernd und förderlich für den Blutzuckerspiegel. Polyphenole und Karotinoide schützen vor Krebs und halten das Herz-Kreislauf-System auf Trapp. Das Pektin, das sich in den Zellwänden der Früchte verbirgt, senkt den Cholesterinspiegel, und die vielen Ballaststoffe sind gut für die Verdauung. Wichtig: Die meisten dieser Inhaltsstoffe sitzen direkt unter der Schale. Die also möglichst mitessen!

Symbolik

Eine Frucht mit einer so langen Kulturgeschichte wie der Apfel, findet logischerweise seine Entsprechungen in der Mythologie. So gibt es einige symbolische Apfelbilder, die immer wieder auftauchen. Die Frucht gilt zum Beispiel als Liebessymbol. Bei den Babyloniern wurde der Apfel der Göttin Ischtar zugeordnet, bei den Griechen Aphrodite und bei den Germanen Idun. In der europäischen Dichtung des 18. und 19 Jahrhunderts taucht das Obst auch als Umschreibung für die weibliche Brust auf. So heißt es zum Beispiel in Goethes Faustus etwas schlüpfrig:

Einst hatte ich einen schönen Traum:
Da sah ich einen Apfelbaum,
Zwei schöne Äpfel glänzten dran;
Sie reizten mich, ich stieg hinan.

Der Äpfelchen begehrt Ihr sehr,
Und schon vom Paradiese her.
Von Freuden fühl ich mich bewegt,
Daß auch mein Garten solche trägt.

Neben dem Apfel als Symbol für Sexualität und Fruchtbarkeit steht er außerdem für das Leben an sich. Vor allem das Bild der goldenen Äpfel, die ewiges Leben verheißen, wurde im Verlauf der Geschichte immer wieder gezeichnet. In der germanischen Mythologie war es die Göttin Idun, die dem Göttergeschlecht der Arsen das glänzende Obst schenkte, um ihnen ewige Jugend zu gewähren. Bekannter sind die goldenen Äpfel aber wohl als eine der Prüfungen des Herakles, der den Hesperiden die unsterblich machenden Früchte raubte.

Und bevor ihr jetzt unkt: Das wohl bekannteste Bild kommt zum Schluss. Die Bibel kennt den Apfel natürlich als Symbol der Prüfung, an der Adam und Eva scheiterten und deshalb ihr Recht verspielten, im Paradies bleiben zu dürfen. Seine Rolle beim Sündenfall machte den Apfel zu einem der wichtigsten Symbole der christlichen Ikonographie, in der er den gesamten Themenkomplex von Sünde und Erlösung repräsentiert: Christliche Abbildungen, die den Apfel am Baum hängend zeigen, stehen als Sinnbild für die Versuchung, in den Händen eines Menschen ist er das Symbol der Sünde, und in den Händen Christus das Zeichen für die Erlösung von der Erbsünde.

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Der Apfel bei Hattgekocht

So, das war jetzt eine ganz Menge. Zum Abschluss gibt es jetzt noch ein paar Rezepte für euch. Da wir beiden Äpfel lieben, hat es das Superobst natürlich auch schon mehrfach auf diesen Blog geschafft. Schnelle Klicks zum Nachmachen:

Viel Spaß damit und bis zum nächsten Mal 🙂 .

Tim

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1 Comment

  • Reply
    Milchtarte: Rezept für Klassiker aus Frankreich
    31. Januar 2017 at 20:49

    […] verschiedenem Obst je nach Saison belegt: Aprikosen, Birne, Mirabellen, Kirschen, Erdbeeren oder Äpfeln (alles rund um den Apfel findet ihr hier). Eine Bindung ist hier zwar nicht zwingend […]

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